Steht eure Strategie auf einem Fundament oder auf Sand?

09.06.2026

Warum Strategie nicht in der Geschäftsleitung beginnt, sondern bei den Eignern, und was passiert, wenn dieser Schritt übersprungen wird.

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Wer nicht sagt, was er will, darf sich nicht wundern, wenn er bekommt, was er nicht braucht. In Strategiedebatten gilt dieser Satz ganz besonders für eine Gruppe, die viel zu oft am Rand steht statt in der Mitte: die Eigentümerinnen und Eigentümer.

In unserer Arbeit erleben wir regelmässig, wie Geschäftsleitungen um Strategien ringen und Verwaltungsräte an Beschlüssen feilen, während alle stillschweigend voraussetzen, das Interesse der Eigner sei ohnehin klar. Das ist es aber nur selten. Strategie beginnt nicht in der Geschäftsleitung. Sie beginnt bei den Eignern.

Was eine Eignerstrategie wirklich klärt

Eine fundierte Eignerstrategie ist weit mehr als ein Renditewunsch. Sie steckt den Rahmen ab, in dem das Unternehmen überhaupt existiert. In Anlehnung an Lombriser stellen wir dabei regelmässig drei Kernfragen.

Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, gibt der Geschäftsleitung etwas, das jede Marktanalyse übertrifft: einen Anker.

Wenn der Anker fehlt

Ohne diesen Anker treibt ein Unternehmen im Meer der Möglichkeiten. Differenzen im Aktionariat, die im Aktionärsbindungsvertrag oft ungeklärt bleiben, lähmen dann die operative Schlagkraft, ohne dass jemand den eigentlichen Konflikt beim Namen nennt.

Ein Beispiel aus unserer Praxis. Ein Kunde rang über Monate mit seiner Dividendenpolitik. Ein Teil der Eigner wollte Substanz im Unternehmen halten, ein anderer drängte auf hohe Ausschüttungen. Die Geschäftsleitung versuchte, beide Seiten zu bedienen, und schaffte am Ende weder das eine noch das andere. Investitionen liessen sich nicht sauber planen, und die Erwartungen blieben unerfüllt. Erst als die Grundsatzfrage in einer expliziten Eignerstrategie geklärt war, konnte die Geschäftsleitung wieder mit Klarheit entscheiden.

Bemerkenswert daran war: Niemand hatte schlecht gearbeitet. Es fehlte schlicht der Boden, auf dem die Arbeit stehen konnte.

Ein Privileg, das eine Pflicht ist

Eigentümerschaft ist ein Privileg, und sie bringt eine Pflicht mit sich, die sich nicht delegieren lässt: zu sagen, was man will. Nicht im Detail und nicht in jeder Marktfrage, aber in den grossen Linien. Was darf sich verändern und was nicht. Was wäre ein echter Erfolg, und was wäre der Verlust der eigenen Identität.

Diese Klärung ist unbequem, und genau deshalb wird sie so häufig vermieden. Dabei ist sie die Voraussetzung dafür, dass Geschäftsleitung und Verwaltungsrat überhaupt eine sinnvolle Strategie formulieren können. Eine Eignerstrategie ist kein zusätzliches Dokument. Sie ist das Fundament. Und wer das Fundament weglässt, baut auf Sand.

Das Team

Sandro Zosso

Berater Strategie, Managing Partner

Sandro schöpft Energie daraus, gemeinsam mit Menschen zukunftsfähige Strategien für starke Organisationen und eine bessere Welt zu entwickeln. Privat liebt er es, unterwegs zu sein, Abenteuer zu erleben und die Welt zu entdecken, ob mit seiner Familie, inspirierenden Menschen oder auch mal alleine.

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